Sonntag, 2. Juli 2006
Es sind tausend Meilen
von der Welt bis zur Hand
Tausend Hürden
Einbahnstraßen über Synapsen
Marathon durch Erinnerung und Erfahrung
Filterkopf
Bilder in Buchstaben
Löcher darin
groß genug für die
Bettstätten der Träumer

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Alsterhimmel
Als der Zug anfährt, sieht man am Horizont schon den Tannenwald. Reihe in Reihe stehen sie. Die, die noch stehen, sind krank. Es ist ein kranker Hain. Wochenende für Wochenende führt der Zug sie an ihm vorbei. Ein erleichterndes Gefühl, ihn hinter sich zu lassen. Jedes Mal. Wieder geht es auf ihn zu.
Für einen kurzen Moment wird der Himmel herrlich blau. Über der Alster ist der Himmel sicher herrlich blau.
Es ist immer eine halbe Stunde noch, bis der Anschlusszug in die kleine Stadt fährt. Hinter den kranken Tannenhain.
In dem kleinen Buch im Zeitschriftenladen der Bahnhofshalle war der Himmel über der Alster herrlich blau.
Der hübsche Strohhut im letzten Schaufenster war doch ganz schön. Aber er hätte ihn nicht gemocht. Er lacht immer über diese Dinge. Aber eigentlich hat er nur Angst. "Sowas trägt man doch nicht", hätte er gesagt, "sowas tragen nur die anderen. Weißt schon.", hätte er gesagt.
An der Alster trägt man sicher Strohhüte.
Natürlich, wo der Himmel doch so herrlich blau ist.
Ob er wohl schon am Bahnhof steht? Er mag den Bahnhof, das Geschäftige. Er sagt, dort wäre eben immer was los. So wie in der Stadt, oder auf dem Rummel. Es wäre eben immer was los, sagt er. Er mag das Schweigen nicht. Und keine nachdenklichen Blicke in den Himmel. Er hätte den Strohhut nicht gemocht.
Kurz hinter dem Hain wird der Himmel über der Alster nocheinmal herrlich blau. Und man streicht sich gedankenvoll über die Krempen der Hüte.
Die Norddeutschen sind eher für sich, hatte der Vater einmal gesagt.
Er hätte den Strohhut sicher gemocht.
Ja, er steht sicher schon am Bahnhof, mag die Norddeutschen nicht und nicht das Schweigen.

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